Page 3 - Sagen aus Kärnten
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Jeden Abend fuhr er hinaus auf den See, doch nimmer
                  wollte sich die Schöne zeigen. Darüber war ein Monat

                  vergangen,  der  Mond  hatte  seine  Gestalt  erneut  und
                  spiegelte wider sein volles Angesicht im Wasser. An die-

                  sem Abend erschien auch die Nixe wieder und stieg zu

                  ihm in den Kahn. Doch sie schien ihm nicht mehr die
                  gleiche zu sein, er empfand nicht mehr den holden Zau-

                  ber, der ihn bei ihrem ersten Anblicke so gefesselt hatte.
                  Dagegen quälte ihn ein brennendes Weh, und die Sehn-

                  sucht zog ihn nach der verlassenen Fischerin, die in ih-
                  rer Hütte um den Treulosen weinte. Laut aufschluch-

                  zend warf er sich der schönen Nixe an die Brust und

                  hoffte bei ihr Trost in seinem Leide zu finden. Doch sie
                  verstand seine Tränen nicht. Sie hatte nur lachen ge-

                  lernt und erwiderte auch jetzt seine Klagen nur mit ei-
                  nem silberhellen Lachen. Darüber geriet der Fischer in

                  flammenden Zorn und stieß die Nixe in das Wasser, wo-

                  rauf er eilig davonfuhr.


                  Sie aber fluchte ihm nach  und  beschloss  Rache am

                  Menschengeschlecht zu nehmen. Da sie jedoch gar
                  wohl wusste, dass der Beherrscher des Wassers, dem

                  alle  Nixen  Untertan  waren,  keinen  Zwiespalt  mit  den
                  Menschen duldete, erdachte sie eine List. Sie bereitete

                  einen Schlaftrunk und mischte ihn unter den Wein, den
                  der Alte beim Mittagsmahl zu trinken pflegte. Da schlief

                  der Greis  ein  und schlief bis zum Abende. Die böse

                  Wasserfrau schlich alsogleich zur Schleuse und drehte
                  sie auf, dass das Wasser des Sees freien Weg ins Land

                  fand. Mit Schnelligkeit ergossen sich die unheimlichen
                  Fluten  über die Gegend; die Bewohner ließen ihre
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